"Je lesefreundlicher das Druckerzeugnis, desto weniger ermüden Augen und Geist."
Wie erreicht man Lesefreundlichkeit?
Schriftschnitt Eine Schrift kann neben der normalen Version verschiedene Varianten haben, die Schnitte genannt werden. Professionelle Schriften enthalten oft mehrere Schriftschnitte in diversen Strichstärken und Ausprägungen (z.B. kursiv, halbfett, fett, Kapitälchen).
Schriftgröße Bei der Wahl der Schriftgröße (Fachleute sprechen von Schriftgraden) sollte man auf die Lesedistanz und auf die Zielgruppe Rücksicht nehmen.
Zeilenlänge Die optimale Buchstabenzahl im Blocksatz bringt ideale Wortzwischenräume. Wenn in einer Zeile 10 Wörter mit 9 Abständen Platz finden, ergeben sich regelmäßigere Wortzwischenräume als bei 7-8 Wörtern (z.B. in der Tageszeitung). Für Bücher oder andere Texte im ein- oder zweispaltigen Satz gelten 50 bis 60 Buchstaben pro Zeile als optimal. Dort ist die Lesbarkeit wegen der langen Lesezeit extrem wichtig.
Laufweite Die Buchstabenzwischenräume werden als Laufweite bezeichnet. Die normale digitale Aufbereitung einer Schrift ist für normale Schriftgrößen richtig. "Verzieht", also verändert man die Buchstabenzwischenräume, führt das häufig zu Qualitätsverlusten. Es kann aber sinnvoll sein, die Laufweite zu vergrößern, also zu sperren oder zu spationieren, etwa bei kleinen Schriftgraden. Bei Überschriften und anderen sehr großen Schriften unterschneidet man dagegen, um die Lesbarkeit zu verbessern. Die Laufweite einer Schrift kann auch dann geringfügig verringert werden, wenn Platz gespart werden muss. Allerdings sollte der Leser davon nichts bemerken. Die Laufweite darf innerhalb eines Testes nicht variiert werden, sonst entsteht optisch ein Ziehharmonika-Effekt.
Zwischenräume Auch Wort-, Zeilen- oder Spaltenabständen kommt eine große Bedeutung zu. Die Zwischenräume beeinflussen die gesamte Grauwirkung eines Textes und sind ebenso wichtig wie die zeichnende Schrift. Regelmäßige Wortzwischenräume in einer Zeile sind ein Muss.
Textauszeichnungen Die üblichste Form im Grundtext etwas hervorzuheben, ist kursiv (italic), weil die Grauwirkung nicht verändert wird. Die ausgezeichnete Textstelle sticht erst während des Lesens hervor. Einzelne Worte, die als Schlagworte aus dem Text hervorstechen sollen, können auch halbfett (semibold) ausgezeichnet werden.
Flattersatz oder Blocksatz?
Grundsätzlich soll der Zeilenbeginn eine optische Kante bilden, so muss das Auge nicht jedesmal den Anfang suchen. Flattersatz linksbündig und Blocksatz sind demnach etwa gleich gut lesbar, Mittelachsensatz und Flattersatz rechtsbündig eindeutig schlechter. Die Angst, Flattersatz biete weniger Platz für den Text als Blocksatz, ist unbegründet. Die Kleinigkeit, die verloren geht, kann durch einen kleineren Spaltenabstand oder durch eine größere Spaltenbreite aufgefangen werden.
Trennungen
Gute Trennungen tragen viel zur Lesefreundlichkeit bei. Logische Silbentrennungen werden problemlos überlesen, unlogische dagegen bilden optische Stolpersteine. Stolper-steine ist besser als Stol-persteine und dies wiederum besser als Stolperstei-ne. Ganz "gelungene" Trennungen erzeugen sogar andere Bedeutungen: Drucker-zeugnis statt Druck-erzeugnis oder Wach-stube anstelle von Wachs-tube.
Praktisch alle elektronischen Trennprogramme trennen nach einem Wörterbuch relativ stur. Probleme gibt es mit den Ausnahmen (Diens-tag, Mac-in-tosh, wak-ker), sie müssen in ein Ausnahmewörterlexikon eingegeben werden. Ein 100%iges Trennprogramm gibt es nicht, Trennungen müssen immer kontrolliert werden. Das A und O des gepflegten Satzes besteht neben einer logischen auch aus einer ästhetischen Silbentrennung, also:
Aus der Bleisatzzeit stammt die heute noch gültige Regel: Bei Fließtexten werden nicht mehr als drei bis vier Zeilen nacheinander getrennt.
Bei einem guten Flattersatz heißt es Kompromisse schließen: Viele Trennungen ergeben zwar ein schönes Bild, die Leselogik aber leidet; zu wenige Trennungen erschweren das Lesen jedoch ebenfalls.
Achtung: Manuell nachbearbeitete Trennungen können zu veränderten Zeilenfällen und damit neuen Trennungen in den nachfolgenden Zeilen führen.
Fazit
Typographie ist nicht nur Kunst. Sie ist vor allem ein Handwerk mit dem Ziel der guten Lesbarkeit. Die Typographie macht gedruckte Werke erst lebendig und gibt einem guten Layout den letzten Schliff.
Bitte beachten Sie unsere Leseempfehlungen Ralf Turtschi: Praktische Typographie. ISBN 3-7212-0292-9 Zu beziehen über den Buchhandel oder direkt bei http://www.agenturturtschi.ch